In einer Serie möchte ich euch über die „Schönheitsmakel“ von Käse aufklären. Denn genau wie bei uns Menschen gilt: Die inneren Werte zählen! Meistens sind diese Makel rein ästhetischer Natur und absolut unbedenklich für die Gesundheit.
Bodypositivity gilt nicht nur beim menschlichen Körper
Habt ihr ihn auch schon mal im Regal gesehen? Käse mit farbigem Pelz, kleinen Punkten, Rissen oder einer völlig schiefen Form? Wie habt ihr reagiert – habt ihr ihn stehen gelassen, direkt weggeworfen oder trotzdem gegessen?
In diesem Blogbeitrag thematisiere ich die Form der Käselaibe und warum sie eben nicht immer rund bleiben. Zum einordnen: Dieser Käsefehler kommt zwar regelmässig vor, jedoch nicht in grossen Mengen.
Aus der Form gefallen
Eigentlich ist der Plan simpel: Der Käse kommt in eine runde Form und sollte dann idealerweise rund bleiben, bis er angeschnitten auf deinem Teller landet. Doch der Weg dorthin ist lang. Ein Käselaib wird während der Reifung unzählige Male in die Hand genommen, gepflegt und gewendet. Da passiert es schnell, dass das Idealbild vom perfekt runden Rad mal Ecken und Kanten bekommt.

Das Gedränge im Salzbad
Nach der Produktion geht es für unsere Käse ab ins Salzbad. Dafür werden die Laibe aus der Form genommen und in Kisten gestapelt. Wenn der Platz dort mal etwas zu knapp wird, kann es vorkommen, dass vereinzelte Stücke beim Stapeln leicht zerdrückt werden. Das Ergebnis? Eine markante quadratische Markierung. Sieht ungewohnt aus, schmeckt man aber keinesfalls.

Wellness mit Hindernissen
Während der Reifung liegen die Laibe auf Brättli aus Tannenholz und bekommen regelmässige Pflege mithilfe unserer Schmiermaschine. Wir legen den Käse von Hand in diesen Halbautomaten ein, wo die Laibe gebürstet werden. Aber: Wir sind Menschen, keine Roboter. Wenn die Maschine nach der Reinigung nicht auf den Millimeter genau zusammengesetzt ist, kann es passieren, dass ein runder Laib zu viel Druck abbekommt oder sogar halbiert wird.

Verwenden statt verschwenden: Liebe für die „Aussenseiter“
Ein Käse mit Schönheitsfehler ist für uns kein Abfall. Wir leben Nachhaltigkeit statt Perfektionswahn:
- Der «Direkt ab Chäsi – Deal»: Kleinere Mengen verkaufen wir als Aktionskäse direkt bei uns im Laden. Da man hier vielleicht etwas mehr wegschneiden muss, gibt es das Kilo zum Vorzugspreis.
- Znüni-Pause: Bei uns im Team ist Käse heiss begehrt – egal in welcher Form. Die „defekten“ Stücke landen oft auf unserem eigenen Znüni-Tisch.
- Glückliche Schweine: Sollten wir einmal Mengen haben, die wir nicht selbst verwerten können, freuen sich unsere Molkenschweine über ein echtes Luxus-Dessert.

Fehler sind menschlich (und natürlich!)
Eines wird deutlich: Der Käse an sich ist top – meistens sind es kleine menschliche Missgeschicke oder die Launen der Natur, die die Form verändern. Unsere Käse sind keine Industrieprodukte, die sich in eine starre Norm zwängen lassen. Ein Naturprodukt wie Rohmilchkäse braucht Geduld und Expertise. Und selbst dann lernt man jeden Tag dazu. Das macht die Produktion so spannend – und, ich gebe es zu, manchmal auch ganz schön anstrengend.
Jetzt seid ihr gefragt: Habt ihr kreative Ideen, wie man „optisch unperfekten“ Käse noch verwenden könnte? Schreibt es mir via Whatsapp
Ich freue mich!